Tom's FSJ in Costa Rica

- Auf den Spuren des puren Lebens -

 
06August
2015

THE END

Liebe Leute,

auch wenn inzwischen wieder mehr als ein Monat vergangen ist, seitdem ich mich das letzte Mal gemeldet habe, habe ich meinen Blog natürlich nicht vergessen – allerdings werde ich mit diesem Eintrag meine mal mehr, mal weniger regelmäßigen Berichte von meinem Auslandsjahr in Costa Rica abschließen und es dann auch mal gut sein lassen. Inzwischen bin ich schon wieder zwei Wochen in Deutschland, und gerade in letzter Zeit ist so viel um mich rum und in mir selbst passiert, dass ich gar nicht weiß, wo ich überhaupt anfangen soll.

Die Zeit von Juni bis zum 20. Juli, meinem letzten Tag auf der anderen Seite der Erde, verbrachte ich herumreisend zuerst mit meinen Eltern, dann mit meinem Kumpel Fabi und ich genoss einfach nochmal in vollen Zügen die Schönheit und Einzigartigkeit dieses kleinen Landes (mit Abstecher nach Nicaragua). Wer hiervon noch Fotos sehen will, möchte sich bitte bei mir melden, dann können wir uns gerne mal zu einer Tasse Kaffee oder einer Maß Bier bei mir treffen und ich bringe meinen Laptop mit all den Fotos mit (vom ganzen Jahr existieren insgesamt knapp 7000).

Gleichzeitig standen natürlich sehr viele teils emotionale und tränenreiche Abschiede an, von ganz vielen Menschen, die ich in meinem Alltag oft mehrer Male pro Woche gesehen und lieb gewonnen habe, z.B. den Leuten aus meiner Tanzschule oder dem Fitnessstudio. Schwer fiel mir der Abschied von meinen Kolleginnen aus der Arbeit und natürlich ganz besonders von „meinen“ Kindern, die mich erst gar nicht gehen lassen wollten.
Von meinen ganzen Freunden und allen voran meiner Familie ganz zu schweigen.
So saß ich dann also am 20. Juli auf einmal im Flugzeug und konnte noch gar nicht realisieren, dass das Jahr nun wirklich schon vorbei ist. Gerade dann, als einem das Leben dort schon so „normal“ vorkommt, wird man plötzlich in die Realität zurückgeholt und auf dem Heimweg vom Münchener Flughafen einen Tag später stellt man plötzlich fest, dass dieses Jahr doch wohl eher ein einzigartiges Jahr in meinem Leben gewesen sein wird, und der „normale Wahnsinn“ jetzt hier in Deutschland weitergeht. So zieht es mich nun also weiter nach Passau, wo ich dann zumindest für die nächsten zwei bis drei Jährchen studieren werde. Das Jahr in Costa Rica wird mich so schnell aber bestimmt nicht loslassen... ;-)

Ich verzichte jetzt einfach mal auf große emotionale Reden und Lebensweisheiten zum Abschluss, sondern bedanke mich bei euch „treuen Lesern“ sehr herzlich für euer Interesse (über 5000 Besucher sprechen da schon eine Sprache für sich), es war mir eine Ehre und ich hoffe, ich sehe viele von euch in der nächsten Zeit mal wieder in Deutschland!

Bis dahin, lasst es euch wie immer gut gehen!
Euer Tom


23Juni
2015

Gracias!

Liebe Leute,

habe mich länger nicht mehr gemeldet, das liegt daran, dass ich seit zwei Wochen meine Eltern aus Deutschland zu Besuch habe und wir viel rumreisen! Aber keine Sorge, eure Spendengelder wurden dafür nicht zweckentfremdet ;-)
Viel mehr möchte ich mich nochmal bei allen lieben Spendern ganz herzlich bedanken - ihr habt alle meine Erwartungen übertroffen und ich kann glücklich verkünden, fast das Doppelte eingenommen zu haben, als ich für meine kleine Grünfläche ausgegeben habe!
Mit diesem Überschuss habe ich wie versprochen weitere Dinge gekauft, um den CEN und das Spiel- und Lernangebot für die Kinder zu verbessern bzw. zu erweitern. Zu den "Errungenschaften" zählen:

- Ein neuer Basketballkorb
- Ein Tunnel zum Durchkrabbeln für draußen oder drinnen
- Eine kleine Tafel, die beidseitig benutzbar ist (eine Seite grüne Tafel für Kreide, andere Seite weiße Magnettafel für Beschriftung mit Marker und Anbringen von Magnetbuchstaben und -zahlen)
- Ein großes fahrbares Kunststoff-Auto zum draußen Austoben (das andere hellblaue Schrotteil, siehe unterer Blogeintrag, wurde direkt entsorgt)
- Ein Memory mit verschiedenen Tierarten
- Ein Domino (im "Frozen"-Design - die Kiddies fahren auf den Film extrem ab)
- Ein Würfelpuzzle (im Prinzessinnen-Design für die Mädels)
- Ein neuer Fußball und Softbälle für drinnen
- verschiedene Lern- und Malbücher und eine Schachtel neue Buntstifte

Mit einem vollbeladenen Taxi fuhr ich dann mit meinen Eltern mit all diesen Dingen ins CEN, wo wir unbemerkt durch den Hintereingang eintraten und die Sachen schon aufbauten, um meinen Kolleginnen und vor allem natürlich den Kindern eine Überraschung zu bereiten. Alle haben sich extrem gefreut über diese außerweihnachtliche Bescherung und ich soll auch im Namen des gesamten CEN CINAI einen lieben Dank an alle Spender in Deutschland ausrichten - und natürlich auch von meiner Seite! Die Postkarte ist schon auf dem Weg....

Fotos folgen wie immer unten. Ich bin bis zum Ende meines Aufenthaltes (20. Juli) viel auf Achse, werde mich aber bestimmt nochmal hier melden, ich hoffe noch von hier drüben, spätestens aber, wenn ich wieder in Deutschand bin ;-)

Lasst es euch gut gehen!

Euer Tom





22Mai
2015

+++ SPENDENAUFRUF +++

Liebe Leute,

wer noch nicht weiß, um was es geht, liest bitte den (zugegebenermaßen ziemlich lang gewordenen) Blogeintrag "Meine Herzensangelegenheit" drunter!

Ich bitte euch herzlich um eure Spende für den berühmt-berüchtigten guten Zweck (wenn möglich innerhalb der nächsten zwei Wochen) auf folgendes Konto:


Bank: Deutsche Kreditbank AG (DKB)
Kontoinhaber: Tom Stadelmann

Kontonummer: 1033201037

Bankleitzahl: 120 300 00

IBAN: DE77 1203 0000 1033 2010 37

BIC: BYLADEM 1001

Verwendungszweck: SPENDE COSTA RICA



Ich bedanke mich jetzt schon mal ganz herzlich (auch im Namen der Kiddies) bei allen lieben Spendern in der Ferne!

Lasst es euch gut gehen,
Euer Tom

22Mai
2015

Eine Herzensangelegenheit - ich brauche EURE Unterstützung!

Liebe Leute,

nachdem die letzten Einträge wieder meine vergangenen Reisen an die schönen Orte Costa Ricas belichtet haben, möchte ich mit euch nun zurück in mein gegenwärtiges Alltagsleben, genauer gesagt in die Arbeit in meinem Cen Cinai eintauchen.

Diese neigt sich nämlich bereits dem Ende zu, in exakt zwei Wochen – ich mag es selbst kaum glauben – werde ich schweren Herzens meinen letzten Arbeitstag antreten. Und werde mich ein letztes Mal um die Kinder kümmern, mit denen ich über 10 Monate fast tagtäglich gearbeitet habe, die mir einiges an Geduld und Nervenstärke abverlangt haben, aber mir vor allen Dingen extrem ans Herz gewachsen sind. Selbst wenn es einem zu Beginn wie ein „normaler Kindergarten“ mit 75 lieben, fröhlichen, frechen, herumtollenden Energiebündeln vorkommt, ändert sich die Sicht auf die Arbeit sehr, sobald man nach einer gewissen Zeit die wirkliche Persönlichkeit der Kinder und auch deren Hintergründe und Geschichten kennenlernt.
Ich möchte hier gar nicht auf die finanzielle Armut eingehen, das sollte jedem klar sein, dass davon so gut wie jedes dieser Kinder betroffen ist, sonst würden sie nicht bei uns sein. Ich möchte von Geschichten berichten, die, seien es auch nur Einzelfälle, noch weit darüber hinaus gehen. Von Kindern aus Nicaragua, deren Eltern wie so viele aus Hoffnung auf ein besseres Leben nach Costa Rica kamen und bitter enttäuscht wurden. Von einem Jungen aus Honduras, dessen Mutter bei sozialen Unruhen im eigenen Land erschossen wurde und der nun bei seiner Tante und Onkel in Costa Rica lebt. Von costaricanischen Kindern, die in Folge einer Vergewaltigung geboren wurden. Die häuslicher Gewalt durch die Großmutter (!) ausgesetzt waren (und hoffentlich nicht mehr sind). Von einem Mädchen, das sobald sie vom Mittagsschlaf aufwachte panisch zu weinen begann, da die Mutter während der Schwangerschaft von ihrem damaligen alkoholabhängigen Freund geschlagen wurde und dadurch anscheinend psychologische Folgeschäden beim Kind entstanden sind (die dank unserer Psychologin im Cen durch Betreuung und Unterstützung von Mutter und Kind erkannt und geheilt werden konnten). Von einem Jungen, der sobald man ihm einen Stift und ein Papier zur Hand gibt immer dasselbe Bild malt: Eine Kirche mit dem Grab seines Vaters davor, der vor ein paar Monaten bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Von einem Mädchen, das von den Großeltern großgezogen wird, da der Vater im Knast sitzt und die Mutter drogenabhängig und obdachlos ist.

Ich möchte hier eigentlich gar nicht groß auf die Tränendrüse drücken, sondern viel mehr die (zum Teil unschöne) Realität verdeutlichen, die auf den Bildern nicht mal im Ansatz erkennbar gemacht werden kann. Ich möchte die allgemeine Situation auch gar nicht so trist darstellen, im Alltag werden diese Geschichten größtenteils ausgeblendet und wir haben auch das Glück, viele positive Dinge zu beobachten. Gerade wenn ich manchmal an einige früher „schwierige“ Kinder denke und sie jetzt 10 Monate später sehe, bin ich schon stolz auf ihre persönliche Entwicklung - und ein ganz kleines bisschen auch auf mich selbst mit dem Gedanken, zumindest einen kleinen Teil mit meinem täglichen Aufwand und Hingabe gegenüber den kleinen (B)engeln beigetragen zu haben.



Was aber sehr wohl auch auf Bildern als unschön erkennbar gemacht werden kann, ist der Außenbereich des Cens, auf dem die Kinder täglich spielen. Wie ich jetzt darauf komme? Ich habe mir in den letzten Wochen Gedanken gemacht, in wie weit ich langfristig im Cen Cinai etwas verbessern kann, da mein Arbeitsaufwand ja größtenteils eher temporär zur Verbesserung der Situation beiträgt. Etwas, das ich meinen Kolleginnen und den Kinder dalassen kann, wenn es für mich wieder nach Deutschland geht.
Was mich schon seit meiner Ankunft gestört hat bzw. was bei mir auf großes Unverständnis gestoßen ist, ist eben jener im Vergleich zu anderen Cen Cinais mickrige „Außenbereich“ der Kinder, der aus gerade einmal 20 (zwanzig!) zubetonierten Quadratmetern zwischen der halben Länge der Hauswand und des Grundstückzauns für 75 (fünfundsiebzig!) Kinder besteht. Mit einer Plastikrutsche, einem demolierten Plastik-Basketballkorb und einem demolierten Plastik-Planschbecken, was aber noch nie Wasser gesehen hat. Dementsprechend füllt sich dieser Bereich ziemlich schnell, wenn ihn auch nur eine unserer drei Gruppen betritt. Und sobald jemand beginnt zu rennen, kann man bis zwanzig zählen bis ein oder zwei Knirpse heulend ankommen weil sie ineinander gerannt sind.




Direkt angrenzend gibt es einen Bereich (zwischen der anderen Hälfte der Hauswandlänge und dem Grundstückzaun), der komplett unbenutzt ist und auf den seit Jahren lediglich Schrott und Sperrmüll gelagert wurden.



Meine Idee war also, diesen Bereich zu „erschließen“, um darauf eine für die Kinder zugängliche Grünfläche zu erschaffen. Dies bedarf einer gewissen Planung und Absprache mit meinen Vorgesetzten (meiner Chefin und den Damen und Herren der Asociación de los Cen Cinai), die allerdings sofort begeistert von der Idee waren und mir jegliche Befugnisse und Verantwortung für mein persönliches Projekt übertrugen. Und dann ging es auch schon ans Eingemachte:

- Ich beauftragte einen Schlosser, das Eisenstangentor, das in der Mitte der Hauswand-Länge zwischen Zaun und Hauswand die beiden Bereiche voneinander trennte, abzumontieren und bis an die Hausecke zu verschieben, um aus den zwei kleinen einen großen Bereich zu machen. Dazu musste er das Tor allerdings durch das Anschweißen weiterer Stangen verbreitern, da der Zaun nicht parallel zur Hauswand verläuft.



- Ich begann, den Sperrmüll (Plastiktonnen, Blechteile, Reifen, Eisengitter, Kies, Zementstücke, etc.) rauszuschmeißen, überwuchernde Pflanzen ein ein kleines Bäumchen auszureißen und fand dabei ein (bis auf ein großes Loch im Netz) fast intaktes Fußballtor aus Kunststoff, das dort seit Jahren ungenutzt herum fermentierte (wo sollten sie es auch hinstellen?) - das einzige Teil, das ich natürlich nicht wegschmiss.



- Mithilfe eines Herrn, den man für jegliche Hausmeister-Arbeiten bestellen kann und schwarz bezahlt begannen wir, so lange auf die Zementplatten, die einen Teil der Grundfläche abdeckten, mit Hammer und Pickel einzuschlagen, bis sie zerbarsten. Zudem senkten wir einen Kanaldeckel, der ca. 20cm aus dem Boden herausschaute und über den die Kinder immer gestolpert sind und entfernten einige bereits abgehackte kleinere Baumstämme samt Wurzeln aus der Erde



- Ich bestellte einen LKW, der (natürlich gegen Bares) gleich am nächsten Tag kam und wir beluden ihn mit dem gesamten Zement-Schutt, der daraufhin zum Entsorgen bzw. Wiederverwerten auf eine Deponie geliefert wurde.



- Zu guter Letzt engagierte ich einen lokalen Gärtner, der wenige Tage später mit einem Pick-Up voll Säcken mit Naturerde und 37m² Rollrasen ankam, den wir dann verlegten.




Das Ergebnis:



Zum Vergleich:

          Vorher                         Nachher


Eine Erweiterung des Außenbereichs von 20m² auf immerhin 57m², davon 37m² Grünfläche, die die Kinder nun zum (Fußball-) Spielen und Austoben nutzen können. Es ist zwar immernoch ein kleiner Bereich im Vergleich zu anderen Cens, die einen gesamten Spielplatz ihr Eigen nennen, aber mehr steht unserem Cen eben nicht zur Verfügung. So habe ich aber wenigstens das Beste daraus gemacht und die Kinder (und auch die Erwachsenen) waren natürlich begeistert.

Warum ich so ausführlich darüber berichte? Nun ja, das ganze Projekt hat mich natürlich eine ganze Menge Geld gekostet, das ich zunächst komplett aus eigener Tasche gezahlt habe. Warum? Weil mein Cen Cinai nicht mal das Geld hat, eine neue Mikrowelle zu kaufen. Und ja, ich bin jetzt pleite.
Aber ich habe das natürlich in der weisen Voraussicht gezahlt, hier im Blog einen kleinen Spendenaufruf zu starten in dem Wissen, dass da in Deutschland ganz viele tolle Menschen meinen Blog lesen, die bestimmt das Herz und ein paar Groschen übrig haben, um mir bei meinem Projekt für die Kinder des Cen Cinai finanziell unter die Arme zu greifen.

Etwaige Spendengelder kommen zu 100% meinem Projekt zugute (und nachdem es bereits abgeschlossen ist, könnt ihr auch sicher sein, dass das Geld dafür verwendet wird bzw. wurde!). Sollte am Ende mehr rauskommen, als mich mein Grünflächen-Projekt gekostet hat, würde ich den Rest in neue Spielzeuge und Utensilien für den Außenbereich investieren!
Deswegen möchte ich euch die Frage stellen: Heute schon was Gutes für die Welt getan? Nein? Dann wäre ich euch unendlich dankbar, wenn ihr einen Betrag eurer Wahl (egal ob 1€, 10€, 100€ oder... naja, ich bleibe mal realistisch) auf mein Spendenkonto überweist (Kontodaten folgen gleich!). Wenn ja: Dann bitte ich euch trotzdem um eine kleine Spende :)
Warum das Ganze? Weil es für mich einfach eine Herzensangelegenheit ist und hoffe, noch ein paar mehr Menschen für freiwilliges Engagement – und sei es nur im finanziellen Sinne – begeistern kann!

In diesem Sinne,
lasst es euch gut gehen – und SPENDET WAS DAS ZEUG HÄLT! ;)
Ich verschicke an jeden Spender eine Postkarte.
(Kein Witz.)

Euer Tom


19Mai
2015

Osterprozessionen in Cartago

Liebe Leute,

im Vergleich zum fröhlichen Ostereiersuchen in Deutschland hat Ostern in Costa Rica wirklich noch eine große religiöse Bedeutung. Dass die Ticos ein sehr religiöses Völkchen sind, sollte ich schon einmal erwähnt haben. Immerhin sind 76% der Bevölkerung römisch-katholisch (offizielle Staatsreligion), 13% Protestanten und der Rest besteht aus diversen andere Glaubensrichtungen wie die Zeugen Jehovas, Mormonen, irgendwelche indigenen Religionen und weiß Gott was... Oder auch eben nicht Gott. Ein paar Atheisten gibt es schon auch. ;)

Wichtigstes Gotteshaus der Christen ist mit Abstand die Basilika Nuestra Señora de los Ángeles in Cartago (in einem September-Eintrag habe ich da schon mal Fotos hochgestellt).
Ganz in der Nähe jener Basilika wohnen meine beiden „Gast-Großmütter“, meine Eltern sind also praktisch direkt um die Ecke der größten Pilgerstädte des Landes aufgewachsen. Glücklicherweise hielt sich deren Einfluss auf ihre Persönlichkeitsbildung doch relativ in Grenzen und ich werde nicht jeden Sonntag in die Kirche gezerrt... Zu den Karfreitagsprozessionen war ich dann aber auch am Start. An jenem Freitag steht das Leben still, Straßen werden gesperrt, Läden geschlossen, und in den paar offenen Supermärkten werden die Regale voll Bierdosen und Spirituosen ganz geschmeidig mit schwarzen Plastikplanen abgedeckt – der Verkauf und Konsum von alkoholischen Getränken ist an diesem Tag per Staatsgesetz verboten. Die typischen kleinen Dorfbars müssen auch alle dicht machen – den „Verlust“ kompensieren sie aber locker mit der Menge, die sie am Tag vorher und nachher ausschenken dürfen.

Die Leute strömen auf die Straßen bzw. Straßenränder und schauen sich die Prozessionen an, die im ganzen Land stattfinden. Eine der größten und wichtigsten – logischerweise – in Cartago. Dort marschieren bei über 30 Grad und prallender Sonne unzählige Typen jeglicher Altersklassen in Rüstungen von römischen Soldaten gekleidet und im Storchengang durch die Straßen, gefolgt von der kompletten Szenerie wie man es aus der Bibel kennt: Jesus das Kreuz tragend (allerdings lediglich als Figur, mancherorts jedoch auch mit echten Menschen), seine Muddi Maria, die Jünger und die ganze Gefolgschaft eben (Ich hoffe, hier liest nicht eine meiner Ex-Religionslehrerinnen mit... Wenn doch bitte ich vielmals um Verzeihung ob meiner doch sehr limitierten Bibelkenntnisse wie ich gerade beim Schreiben feststellen muss. Die Kurzzeitgedächtnis-Lernstrategie hat in den Klausuren allerdings immer funktioniert). Am Abend, wenn es schon dunkel ist, gibt es dann noch eine zweite Prozession, eigentlich ähnlicher Ablauf, nur Jesus' Körper schon in einem goldenen Schrein aufbewahrt, der einmal durch die Stadt getragen wird.

Es wird gemunkelt, es gibt inzwischen sogar TICOS, die trotz Prozessionen die freien Tage lieber ausnutzen und irgendwo an der Karbikküste am Strand entspannen... Aber als guter deutscher Christenbub wie ich es nunmal bin habe ich natürlich nach gutem Wissen und Gewissen gehandelt und meine Familie zu den Prozessionen begleitet. Außerdem gab es zwei mal ordentliches Osteressen – erst bei der einen, dann bei der anderen Gastomi. Das war wirklich göttlich.

Mahlzeit,
Euer Tom


Erste Prozession:





CIERRE TEMPORAL (frei übersetzt so etwas wie: "Tut mir Leid, ich habe heute leider kein Bier für dich...")


Zweite Prozession:

18Mai
2015

El olor del Caribe - Karibikluft schnuppern

Liebe Leute,

lange hat es gedauert (mehr als acht Monate um genau zu sein), oft war es geplant, und endlich habe ich es umgesetzt: Ich nutzte meine arbeitsfreie Osterwoche, um zum ersten Mal nach Limón an die Karibikküste zu fahren.
Sonntag früh um halb sieben stieg ich also mit zwei Freunden, Shira und Josué, in den Bus Richtung Puerto Viejo, dem wohl bekanntesten Touristenort an der südlichen Karibikküste, wo wir fünf Stunden später auch ankamen. Die Fahrt ist zwar nicht gerade sehr kurz, ist man aber erstmal dort, sind alle schönen Orte und Strände ganz nah beieinander. Von Puerto Viejo kann man sich einfach ein Fahrrad mieten und die ganzen traumhaften Strände gen Süden abklappern oder gen Norden in den Cahuita Nationalpark fahren.

Limón unterscheidet sich aufgrund starker Einflüsse der karibischen Kultur, des Lebensstils und auch des Klimas merklich vom Rest Costa Ricas. Der Blick auf kilometerlange Bananen- und Ananasplantagen begleiten einen fast durchgehend auf dem Weg an die Küste, das Leben dort kommt einem fast noch entspannter als im Rest des Landes vor (auch wenn ich das eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hätte), es riecht nach Karibikluft, Reggae-Musik schallt aus den kleinen Strandlokalen und Patwa (die aus Jamaica rübergeschwappte Sprache) aus den Mündern der Ansässigen, an Straßenständen verkaufen die Leute karibische Leckereien wie z.B. Rice and Beans (in Kokosmilch gekochter und verschiedensten Gewürzen und Bohnen zubereiteter Reis mit Hühnchen) oder verschiedensten Schmuck- und Souvenirkram, und man sieht einen Haufen verrückte Touris auf Leihfahrrädern durch die Gegend düsen.

Bis Dienstag verbrachten wir drei die Zeit tagsüber an den traumhaften Stränden von Puerto Viejo, Punta Cocles und Punta Uva, nachts gingen wir aus oder entspannten mit anderen netten Menschen aus der ganzen Welt bei einem kleinen Lagerfeuer am Strand. Ein bisschen geschlafen wurde auch - in einem Hostel, das Hängematten im Freien für 5€ pro Nacht anbietet. An jenem Dienstag gingen wir dann in den Cahuita Nationalpark, der auf ca. 1000 Hektar Fläche neben einem langen Strandabschnitt ins Landesinnere hinein einen Wald mit Brüllaffen, Kapuzineraffen, Leguanen, Faultieren, Schmetterlingen und vielen weiteren Tier- und Pflanzenarten beheimatet. Von dort fuhren wir dann abends in die Stadt Limón, wo Shira herkommt und immernoch ihre Großmutter lebt, die uns großzügigerweise bis Donnerstag bei sich aufnahm.
Am Mittwoch fuhren wir gemeinsam mit Shiras Mutter, die noch dazukam, zu einer Bekannten in Bananito, einem kleinen Dörfchen etwas im Inland, das nur schwer zugänglich ist und die Menschen in sehr einfachen Verhältnissen leben und entweder in der Landwirtschaft oder in der Stadt arbeiten. Dort bereiteten wir unter den Fittichen von Shiras Oma und der Gastgeberin ein göttliches Rice and Beans über dem Feuer zu, genossen es gemeinsam mit der ganzen Familie am Esstisch und wurden dann an ein in der Nähe liegendes verstecktes Flussufer geführt, mitten in der Natur und abgesehen von ein paar im klaren grünen Wasser spielenden einheimischen Kindern ein in absoluter Ruhe gelegener paradiesischer Ort, an den man aber als Tourist (egal ob ausländisch oder einheimisch) normalerweise nicht mal in die Nähe kommt. Ich glaube, ich war die erste nicht-ansässige Person, die dort jemals baden gegangen ist.

Am nächsten Tag ging es für mich zusammen mit Josué im Bus wieder nach San José. Er musste für die Uni lernen und ich musste am Freitag mit meiner Familie nach Cartago, um mir die Karfreitagsprozessionen anzusehen. Dazu aber im nächsten Eintrag mehr. Insgesamt waren dies die mit Abstand entspanntesten Tage meines Lebens.
Karibik eben.

Pura vida
Tom


Puerto Viejo:

 
Burrito gefüllt mit Gallo Pinto - meine persönliche Droge ;)

Playa Cocles:


 

Punta Uva:



Cahuita:




Bananito:







17Mai
2015

Der Stolz einer ganzen Nation

Liebe Leute,

in Deutschland gibt es neben dem Fußball noch einige populäre Sportarten wie Handball, Basketball, Eishockey, Rennsport, Leichtathletik, Wintersport, Kampfsport, usw... In Costa Rica gibt es... nun ja... Fußball. :D
Das sensationelle Erreichen des WM-Viertelfinales im letzten Jahr hat da die Fußballbegeisterung nochmal auf ein ganz neues Level gehoben. Die „sele“ (kurz für „selección = [National-]Auswahl) verkörpert im wahrsten Sinne den Stolz eines ganzen Landes.
Ein Land, das „ein ökologisches Vorbild“ (Zitat von unserem Herrn Ex-Bundespräsidenten Wulff bei seinem Staatsbesuch 2011) für alle Länder dieser Erde ist, das dieses Jahr erstmals 100% seines Energiebedarfs mit Energie aus regenerativen Quellen deckt, dessen Landesfläche zu 27% unter Naturschutz steht, das in den 1950er Jahren die Armee zugunsten der Förderung von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen abgeschafft hat und das aufgrund einer stabilen Demokratie und frühzeitigen sozialpolitischen Maßnahmen im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Ländern von sozialen Unruhen, Bürgerkriegen oder Diktaturen verschont geblieben ist? Klingt alles ganz toll, ehrlich.. aber 2014! Das war das Jahr, als „wir“ ins WM-Viertelfinale einzogen!

Wenn du dann als Deutscher hierherkommst, dann sind die Ticos ziemlich geschockt, wenn man ihnen versucht zu erklären, dass der WM-Titel zwar schon gefeiert wurde, aber jetzt auch nichts Weltbewegendes im Leben oder in den Köpfen der Menschen verändert hat. Hier wird heute noch über den 1:0-Vorrundensieg gegen Italien geredet – mit detailgetreuer Beschreibung der Torentstehung inklusive. Nachdem sich dann die kurzfristige Schockstarre löst und die Stimme wiederkehrt, ist das Erste, was ich hier zu hören bekomme: „Wenn wir ins Finale gekommen wären, hätten wir euch Deutschen locker geschlagen! Da habt ihr echt nochmal Glück gehabt!“. Ich fand es ja am Anfang ganz witzig und habe das Spielchen mit ein paar ironischen Kommentaren meinerseits auch mitgespielt, bis ich - nachdem ich das fünfundzwanzigste Mal darauf angesprochen wurde - festgestellt habe, dass die Ticos das wirklich toternst meinen. Allgemein gibt es hier bei Fußball nicht viel zu spaßen, da wird auch schon mal eine gelbe Karte gegen einen Spieler der „sele“ in einem völlig bedeutungslosen Freundschaftsspiel gegen Paraguay, das ich mir Ende März im Estadio Nacional in San José live anschauen konnte, durchaus persönlich genommen. Jedenfalls durfte sich der Schiedsrichter neben den üblichen (auch aus Deutschland bekannten) Pfiffen und Schimpftiraden ein kleines Privatkonzert eines 35.000 Zuschauer starken Chors anhören, der ca. fünf Minuten lang „Hijueputa! Hijueputa! Hijueputa!“ anstimmte. [Anm. d. Verfassers: An dieser Stelle wird ausnahmsweise auf eine detailgetreue Übersetzung ins Deutsche verzichtet]. Da hat es ganz gut gepasst, dass das Niveau auf dem Spielfeld mit dem auf den Zuschauerrängen durchaus gleichwertig mithalten konnte. Das Spiel ging nämlich 0:0 aus.
Der Stolz auf die Nationalmannschaft bleibt aber trotzdem eines Weltmeisters würdig. In den Herzen sind sie es auf jeden Fall.

In diesem Sinne: VAMOS TICOS!
Euer Tom




14Mai
2015

Monteverde

Liebe Leute,

trotz dem Besuch bei den Bribrí war mein Hunger nach weiteren Erkundungstouren durchs Land noch lange nicht gestillt, und so ging es gleich am darauffolgenden Wochenende mit ein paar Leuten aus meinem AFS-Komitee in den Monteverde Nationalpark, einem relativ hoch gelegenen Nebelwald im Norden der Provinz Puntarenas, der aufgrund seiner Naturvielfalt und den angebotenen Hängebrücken- und Seilbahntouren über den Baumkronen ein beliebtes Ziel bei Touristen aus aller Herren Länder ist. Somit war es nicht verwunderlich, dass wir dort auf haufenweise Amis, Deutsche, Franzosen, Kanadier, usw... stießen. Auf jeden Fall einer der Orte, an dem man sehen kann, warum der Tourismus Haupteinnahmequelle der costaricanischen Wirtschaft ist. Und das, obwohl die einzige Zufahrtsstraße über einen Bergpass seit Jahren nicht fertiggestellt wird und man somit mit dem Reisebus auf einer schmalen und komplett unbefestigten und ungesicherten Schotterpiste mit hunderten von Metern tiefen Abgründen daneben entlang tuckert. Lustig wird es dann, wenn in einer serpentinenartigen Kurve von oben ein anderer vollgefüllter Reisebus entgegenkommt... Ist man aber erstmal heile und mit schweißnassen Händen oben im Ort Santa Elena de Monteverde angekommen, erwartet einen ein Ausblick bis zum Pazifik, ein relativ kühles, aber charmantes Touristenörtchen und einen akustisches Klanggebilde aus wild durcheinander und in verschiedensten Sprachen redenden Touristen auf den Straßen.

Von unserem Hostel wurden wir direkt mit einer buseta abgeholt und auf eine kleine Kaffetour durch die Plantagen von Don Juan, eine der größten Kaffemarken Costa Ricas, deren Kaffee in die ganze Welt exportiert wird, eingeladen. Ähnlich wie bei unserer Bribrí-Omi mit dem Kakao wurde uns nun der Anbau und die Produktion des Kaffees von einer Touristenführerin nähergebracht. Abends bei der Ankunft wurden wir dann von Kapuzineräffchen auf dem Hoteldach überrascht, die augenscheinlich schon wissen, wo sie einen Haufen Stückchen Ananas, Papaya und Wassermelone absahnen können. Klar sind sie schon längst an die doofen Touris gewöhnt und haben absolut null Berührungsängste, sie futtern einem im Prinzip direkt aus der Hand, bzw. sie schwingen sich runter und reißen dir das Obst einfach aus der Hand, um es sich dann gemütlich auf dem Dach schmecken zu lassen.

Die Hauptattraktion ist aber immernoch der Nebelwald, der aufgrund der trockenen Jahreszeit und des schön sonnigen Wetters überhaupt nicht neblig war und durch den (bzw. über den) man Touren auf bis zu 40 Meter hohen Hängebrücken und noch höheren und längeren Seilbahnen machen kann. Unter anderem beheimatet der Monteverde Nationalpark die mit 1,5 km längste Seilbahn Zentralamerikas. Da wir aber nur einen halben Tag Zeit hatten, bevor wir auch schon wieder die Rückreise antraten, beschränkten wir uns auf die Hängebrückentour. Allerdings werde ich am Ende meines Aufenthaltes auf jeden Fall nochmal zurückkehren und mich in Superman-Pose die 1,5km runterschwingen ;)


Lasst es euch gut gehen,
Euer Tom


Anfahrt:



Kaffetour:

   

Kapuzineräffchen:

 

Hängebrückentour:

Von unten:


von oben:

         don't look down...

07Mai
2015

Besuch bei den Bribrí

Liebe Leute,

die Zeitverschiebung zwischen Costa Rica und Deutschland beträgt acht Stunden. Die Zeitverschiebung zwischen meinem Erlebten und dem Blogeintrag über das Erlebte beträgt fast zwei Monate. Und das auch "nur", weil ich jetzt einen geschmeidigen Sprung in den März mache, da ich sonst noch an Weihnachten in Deutschland über meine Zeit in Costa Rica schreiben müsste... Und dabei beschränke ich mich ja sowieso schon - abgesehen von meinem Arbeitsalltag - nur auf besondere Erlebnisse, Reisen und Ereignisse. Um mein ganzes costaricanisches Alltagsleben aufzuarbeiten bleibt mir einfach keine Zeit!

Im März trafen sich mal wieder alle verbliebenen deutschen AFS-Freiwilligen im Hauptbüro von AFS Costa Rica in San José zusammen. Dort wurde der Freitag mit den üblichen oganisatorischen Dingen, Workshops, Austauschen verschiedenster Erfahrungen und jeder Menge Pizza und Donuts verbracht, die Nacht auf Samstag in anliegenden Bars und später in einem gemütlichen Hostel in der Innenstadt. Samstag holte uns dann früh um sechs eine traditionelle buseta (Kleinbus für jegliche Gruppentransporte) ab und wir fuhren gemeinsam in den Südosten des Landes in ein Naturreservat an der Grenze zu Panama, das fast ausschließlich von den Bribrí, einem der wenigen verbliebenen Ureinwohnerstämme Costa Ricas, bewohnt wird. Nach fünfstündiger Fahrt wurden wir herzlich in unserer Unterkunft empfangen; einem zweistöckigen lediglich aus Holzpfählen gebauten Haus mit Dach aus geflochtenen Palmenblättern und nicht vorhandenen Wänden - die bei ca. 35 Grad und einer Luftfeuchtigkeit wie man es sich in den Tropen eben vorstellt auch unerträglich gewesen wären. So allerdings war es aber ein durchaus komfortabler "Open-Air-Schlafplatz" auf einer Matratze samt Moskitonetz, die Mücken, Kakerlaken, Mäuse und andere tierische Zeitgenossen mehr oder weniger davon abhielten, zu uns unter die imaginäre Bettdecke zu kriechen. Ich habe jedenfalls super geschlafen, was aber wohl auch den vielen vorigen Aktivitäten Eindrücken geschuldet war.
Von unserer Unterkunft ging es nach kurzem "Einrichten" (viel gabs ja nicht) mit buseta, kleinem Knatterboot, großem Knatterbus und zuletzt zu Fuß in ein (auch für die paar Wanderer, die sich hierhin verirren zugängliches) Dörfchen der Bribrí, in dem man noch eines der wenigen erhaltenen Ureinwohner-Häuser besichtigen konnte. Dort wurde uns von einem Bribrí jede Menge über ihre Kultur erzählt. Ich fasse hier mal ein paar interessante Dinge in Stichpunkten zusammen:

- Der Großteil der Bribrí lebt zurückgezogen im Einklang mit der Natur in den Wäldern der Cordillera de Talamanca, der Bergkette, die sich durch die Region zieht und hat kaum Kontakt zur Außenwelt
- allerdings fügten sich vor vielen Jahren viele den Plänen der Regierung, die Ureinwohner zu "zivilisieren" und ihnen den "normalen" Lebensttil zu verpassen, sodass die Kultur in vielen Bereichen nach und nach verloren geht: das Bribrí (die Stammessprache - einer der wenigen costaricanischen Stämme, der noch seine eigene Sprache besitzt) wird nach und nach durch das Spanische abgelöst, die traditionellen kegelförmigen Holzhäuser durch normale kleine Betonhäuser, der Glaube (die Bribrí sind der festen Überzeugung, dass alle Menschen aus Maiskörnern entstanden sind und wir nicht auf einer runden Erde, sondern in einer von vier verschiedenen übereinanderliegenen Welten leben) und jede Menge Wissen über die Natur, Naturheilkunde und Ähnliches geht durch den Prozess der sich "modernisierenden" Generationen ebenfalls Schritt für Schritt verloren- um dem entgegenzutreten wurde eine stammeseigene Schule gegründet, in der Kindern ab 12 Jahren die Sprache Bribrí beigebracht wird und das riesige Wissen über Natur, Medizin, Philosophie, etc., was über zig Generationen vermittelt wurde, weitergegeben werden soll

Anschließend weihte uns ein Bribrí-Mediziner in die Vielfalt an heilwirkenden Pflanzen, Früchte, Wurzeln, etc. und ihre Wirkung ein (Pflanze gegen Diabetes, Wurzel gegen Durchfall, angeblich besitzt er sogar eine Pflanze, die eine krebsheilende oder zumindest -vorbeugende Wirkung haben soll). Außerdem erhielten wir einen Crashkurs in Bribrí.
Ìs be' shkèna? - Ye' shkèna bua'ë. (zu dt.: "Wie geht's dir? - Mir geht's gut.")

Am nächsten Morgen fuhren wir dann auf eine der wenigen erhaltenen Kakaoplantagen (aufgrund einer Schädlingsplage im 19./20. Jahrhundert wird in Costa Rica kaum mehr Kakao angebaut, Haupteinnahmequelle ist der Anbau von Kaffee, Bananen und Ananas), auf der wir von einer kleinen lieben Bribrí-Omi alles über den Anbau und die Weiterverarbeitung von Kakao erzählt bekamen. Die Kakaofrucht (auf bribrí: "tsirú") wächst meistens direkt am Stamm oder einem dicken Ast des Baumes und hat ein weiches, weißes und süßliches Fruchtfleisch, das die Kakaokerne ummandelt und superlecker schmeckt, während die Kerne an sich sehr bitter sind (Ja ich war so schlau und hab gleich herzhaft drauf herumgekaut anstatt das Fruchtfleisch abzulutschen... war trotzdem lecker). Diese Kerne werden also der Frucht entnommen, einige Tage in der Sonne getrocknet, über einem kleinen Feuerchen geröstet, mit einem fetten Stein per Hand gemahlen, mit einer speziellen "Wurftechnik" die feinen Hülsen entfernt, bei der die gemahlenen Kerne auf einem Tablett hochgeworfen werden und die deutlich leichteren Hülsen durch den Wind vom gemahlenen Kakaopulver getrennt werden und auf dem Boden lande, und zu guter letzt wird der gemahlene Kakao durch eine Art Handmühle gepresst, bei dem sein eigenes Fett freigesetzt wird und somit am anderen Ende eine weiche Masse rauskommt. Diese ist zwar ein wenig bitterlich, schmeckt aber unglaublich gut! Diese kann man dann in die Milch rühren und raus kommt der natürlichste Kakao, den man nur trinken kann und der tausend mal besser schmeckt als das mit haufenweise Zucker und anderen komischen Inhaltsstoffen versetzte Nestlé-Kakaopulver, das wir in Deutschland in unsere MIlch schütten.

Am späten Abend erreichten wir dann wieder nach mehrstündiger Busfahrt inklusive Aufenthalt an einer Tanke in einem Karibikdörfchen namens Hone Creek aufgrund einer Reifenpanne unsere gute alte Hauptstadt, von wo aus jeder wieder zu sich nach Hause fuhr, da es am nächsten Tag schon wieder ins Projekt ging. Ich war auf jeden Fall der erste im Bett, da ich vom Zentrum in zehn Minuten wieder zuhause war.


Ich belasse euch jetzt mit den Fotos, lasst es euch gut gehen!
Euer Tom


Unsere Unterkunft:



Auf dem Weg zum Dörfchen:



Besuch des Dorfes:



Besuch der Kakaoplantage:


       Bribrí-Omi                                         tsibú


                                                 Kakaoverarbeitung


 

07April
2015

Wochenende a lo guanacasteco

Liebe Leute,

nach vier Tagen Dauertinitus ging es für mich gleich am Wochenende nach der ersten Arbeitswoche im Jahr 2015 (mal wieder) nach Guanacaste - der "Wilde Westen" Costa Ricas mit seinen einmaligen Küsten und Landschaften lässt einen eben nicht so schnell wieder los!
Diesmal ging es mit Familie und der gesamten Fußballmannschaft von meinem Gastvater zuerst an einen für mich inzwischen altbekannten Ort im Süden der Halbinsel von Nicoya: Pueblo Nuevo, ein kleines Dörfchen an den Stränden Playa Coyote und Playa San Miguel (ja, genau dem Strand, an dem ich zum ersten Mal in Costa Rica den Pazifik sah und auch schon die ein oder andere Nacht verbracht habe...).
Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe: Der typische Aufbau eines traditionellen costaricanischen Dörfchens besteht aus der Kirche im Zentrum, dem Fußballplatz davor und der Bar an der Straßenecke. Dieser Bereich ist gleichzeitig Hauptumschlagsplatz für jegliche gesellschaftliche Aktivitäten und das "Herz" eines jeden Dörfchens.
Auf besagtem Fußballplatz im Zentrum der 180-Einwohner-Metropole Pueblo Nuevo fand am Abend des Freitags ein Fußballspiel gegen die Veteranen des Dorfes und Umgebung statt. Allerdings wurde ich mit meiner Vorstellung, bei einer kleinen "mejenga" (tico-Spanisch für einen Freizeitkick bzw, ein Fußballspiel auf eher unterem Amateurniveau) im Tor zu stehen und höchstens von ein paar Kapuzineraffen und dem Dorfesel angefeuert zu werden, ganz schnell eines besseren belehrt. Gut, es war zwar wirklich nicht mehr als eine reine mejenga, allerdings war das Spiel scheinbar DAS Highlight des Jahres für alle Anwohner im Umkreis von 25km. Jedenfalls versammelten sich rund um das Spielfeld ca. vier- bis fünfhundert Zeitgenossen, um ihre Veteranen gegen die Mannschaft aus dem großen Cartago anzufeuern. Und nicht wenige (inklusive gegnerische Spieler) fragten sich, wer denn dieser Riese sei, der nicht mal hochspringen muss, um sich an der Torlatte festzuhalten. Es wurde sogar eigens für das Spiel das Flutlicht (!) eingeschaltet. Man sucht im Dorf zwar vergeblich nach Straßenlaternen, aber die werden auch deutlich überbewertet, solange man auf dem Rasen den Ball noch findet. Man muss eben Prioritäten setzen...
Da sich beide Mannschaften schon vor dem Spiel in der Dorfbar zum gemeinsamen Stammtisch trafen, ist Niveau und Spielerverlauf des Spiels hier nicht weiter erwähnenswert. Ich war vor dem Spiel allerdings mit meiner Familie an der Playa Coyote, um noch ein bisschen Sonne zu tanken und den Sonnenuntergang zu bewundern. Nach dem Spiel gab es noch ein nettes Zusammentreffen zwischen Mannschaften und Zuschauern mit einigen Leckereien, die die Ehefrauen zubereitet hatten, und jeder Menge Bier, sodass spätabends dann alle mit "panza llena, corazón contento" ins Bett fielen. (Tico-Sprichwort: "Bauch voll, Herz glücklich").

  


Am Samstag trafen sich dann noch ein paar Familien in einer privaten Finca an einem komplett unberührten Strand in einer Bucht, die man nur durch den privaten Zugang zur Finca erreichen kann. Dort verbrachten wir dann einen sehr entspannten Familientag mit viel Sonne, Musik, Grillen, Schwimmen, usw... Und am Abend brachte mich meine Familie dankenswerterweise zurück zu einem meiner Lieblingsorte Costa Ricas, um den Sonnenuntergang zu betrachten: Ein kleines Passsträßchen zwischen Playa Corozalito und Punta Islita, an der ein einsames Häuschen steht, von dem aus man einen wunderbaren Blick über die Bucht und den Ozean hat. Am 14.9.14 habe ich schon mal über Pueblo Nuevo und diesen Ort berichtet und Bilder reingestellt. Jetzt kam ich also schon das dritte Mal dort vorbei, und es ist trotzdem immer wieder genauso schön!




Am Sonntag ging es dann noch nach Mansión, einem kleinem Städtchen weiter im Inland der Halbinsel, wo an diesem Wochenende Stierkämpfe "a lo tico" (auf costaricanische Weise) stattfanden, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Dies ist aber ein deutlich kleineres Event als die berühmten Stierkämpfe von Zapote, die in einer Arena nur zehn Minuten von meinem Haus weg stattfinden und von denen ich schon mal berichtet habe, wie sich irgendwelche hirnamputierten Zeitgenossen in der "corrida improvisada" in die Arena begeben, um sich vor den Stier zu werfen. In Mansión fand so ein "improvisierter" Stierkampf gar nicht statt, sondern nur sowas wie das "Rodeo" in den USA, wo sich professionalle "montadores" so lange wie möglich auf dem Rücken des Stieres halten müssen, während dieser sie im Idealfall ein wenig durch die Gegend schleudert. War also alles ganz harmlos, aber auf jeden Fall mal interessant, live zu beobachten und auch spezielle Techniken "a lo guanacasteco" kennenzulernen. Der Stierkampf hat hier nämlich besondere Tradition und es entwickelten sich im Laufe der Zeit traditionell guanacastecische Formen des Stierkampfs, die dort ebenfalls präsentiert wurden.




Spätabends machten wir uns dann auf den Weg zurück ins valle central nach San José und nach zwei Stunden Schlaf im Auto und weiteren drei im Bett ging dann auch schon wieder der alltägliche Wahnsinn im CEN los ;-)

Ansonsten wie immer alles bestens hier, werde mich jetzt mal ranhocken und ein wenig von meinem Erlebten blogtechnisch nachholen.

Bis dahin lasst es euch gut gehen!
Euer Tom

30März
2015

Entwicklung im Projekt

Liebe Leute,

ja ich weiß, das "Sorry, mir kam grade was dazwischen" zieht nicht mehr so richtig. Aber besser spät als nie (- auch schon mehrmals plattgefahren -) melde ich mich dann doch mal wieder. Ja, ich lebe noch, mir geht's sogar besser denn je! Das Leben hier ist inzwischen so "normal" für mein Empfinden geworden, dass ich ab und zu fast schon vergesse, ja eigentlich nur ein deutscher Freiwilliger zu sein, der hier für ein Jahr mal vorbeischaut. "Normal" soll aber nicht bedeuten, dass hier nichts mehr Spannendes passiert - ganz im Gegenteil! Nur hat sich meine Sichtweise auf die Dinge schon die costaricanische Brille aufgesetzt und Dinge, die vor diesem Jahr für mich vielleicht noch völlig exotisch und fremd vorgekommen wären, gehören jetzt einfach zu "meinem" Leben dazu, wie ich es hier genießen darf. Und oft frage ich mich, ob Costa Rica vielleicht einfach überhaupt nicht so viel anders und exotischer ist als Deutschland oder ich einfach schon so mit dem tico way of life mitgehe als hätte es nie etwas anderes gegeben.
Naja genug philosophiert, eigentlich wollte ich (endlich) mal wieder aus meiner Arbeit berichten, nachdem ich die im Jahr 2015 bisher blogtechnisch doch etwas vernachlässigt habe.
Seit Januar haben wir ca. 25 neue Kinderchen dazubekommen, die die alten Plätze von denen aufgefüllt haben, die den CEN Richtung Schule oder sonst wohin verlassen haben. Der Boden wurde auch (fast) rechtzeitig fertig, nachdem man sich dazu entschloss, die Kinder erst für den Dienstag wieder ins CEN zu bestellen. An besagtem Tag kamen also alle alten und neuen Nasen wieder durch die Tür spaziert, hineingerannt, -getragen, -gezerrt, etc. und ich muss gestehen, die erste Woche nach den Weihnachtsferien war doch die mit Abstand anstrengendste in meiner bisherigen Zeit dort. Es dauert nämlich seine Zeit, bis 25 Kleinkinder sich daran gewöhnen, zum ersten Mal in ihrem Leben ihre Mami loszulassen und sich einer anderen Person anzuvertrauen, sodass ich die ersten ein, zwei Wochen täglich 8 Stunden ohne Unterbrechung Dauergeheule und -geschrei über mich ergehen lassen musste. Nachdem sich da nämlich noch 50 andere Kinder tümmelten, um die sich meine beiden Kolleginnen kümmern mussten, durfte ich mich hauptsächlich mit den paar neuen beschäftigen, die mit der Situation anfangs leider überhaupt nicht klarkamen.
"Nein Valentina, deine Mami verlässt dich nicht für immer, die holt dich später gleich wieder ab!", "Nein, Josué, das ist hier kein Gefängnis... Nein wir hauen dich hier nicht... Ja du darfst mit dem Bagger spielen, dafür ist er ja da!", "Ariana hör doch bitte auf zu heulen, du versalzt ja dein ganzes Essen!" oder "Nein, Mia, die Tür geht auch nicht auf wenn du sie anschreist und dagegentrittst... versuchs mal mit "bitte"!" sind da eine kleine Auswahl an Sätzen, die realtiv häufig gefallen sind. Zum Glück haben es die meisten relativ schnell verstanden, wie das bei uns funktioniert und fanden es nach ein paar Tagen auch ganz knorke. Jedenfalls senkte sich der Geschrei-Pegel nach und nach deutlich, bis nur noch ein kleiner Schreihals namens Jeyson übrig blieb, der mir vom ersten Tag an an der Backe klebte. Der Knirps ist gerade mal zwei Jahre alt und von daher noch absolut unbrauchbar was verbale Beruhigungsversuche meinerseits anging. Die einzige Methode, ihn still zu bekommen war, ihm jeden möglichen Krimskrams in die Hand zu drücken. Spielzeugauto hier, Puzzlestück da, usw... Blöd nur, dass ihm jedes Mal nach zehn Sekunden wieder langweilig wurde und er aus purer Freude am Aufmerksamkeit auf sich ziehen wieder das Schreien anfing. Ich war also gut damit beschäftigt, alle paar Sekunden ein neues Teil für ihn zu oganisieren, damit er mal seinen Mund zu lässt. Wir gingen nämlich alle täglich mit ziemlich brummenden Schädel aus der Arbeit raus, sodass wir jede Minute genossen, in denen mal niemand am Heulen war. Mit der Zeit hat sich aber auch Jeyson beruhigt und wir haben ihm sein Geschrei ordentlich abgewöhnt, von daher ist jetzt schon seit längerer Zeit vergleichsweise Ruhe im Haus (Wenn man es so nennen kann bei 75 herumturnenden Energiebündeln).
Seit dem Anfangsstress nimmt also alles seinen gewöhnlichen Lauf, zu meiner Freude wurden einige Dinge im CEN verbessert, so wurden neben dem Boden auch die alten und hässlichen Tische und Stühle des Comedors und der Aulas gegen neue hübsche ausgetauscht, die Außenwand zur Straße hin wurde kindgerecht angepinselt (jetzt sieht die Bude endlich mal nach Kindertagesstätte aus) und in der Küche wurden einige Kühlschränke und ein Ofen ausgetauscht, was beim Zustand der alten Geräte durchaus notwendig war. Das Geld kam aus einem staatlichen Fonds, der alle paar Jahre mal an verschiedenste Institutionen ausgeschüttet wird. Was immer noch fehlt, ist ein gescheiter Außenbereich für die Kinder, die sich bisher in den recreos ("Pausen") zu 50st auf einem ca. 15m² großen betonierten Bereich tummeln. Und das, obwohl um das Gebäude rum noch durchaus Platz wäre, der bisher leider nur als eine Art Schrottplatz benutzt wurde. Darum werde ich mich aber jetzt kümmern und den Außenbereich für die Kinder wenigstens ein bisschen vergrößern. Mit ein paar Spenden und helfenden Händen vor Ort kann man da durchaus noch was machen in den zwei Arbeitsmonaten, die mir noch bleiben.
Zeit dafür werde ich auch haben, da uns leider Cata verlassen wird, da sie bisher nur interimsweise angestellt war und jetzt ab Mitte April eine feste Anstellung in einem anderen CEN bekommt. Von daher wird für eine Zeit lang erstmal nur noch die Ganztagesgruppe von Francini kommen, bis wir eine neue Kollegin empfangen dürfen. Allerdings wird sich erst zeigen, ob ich sie überhaupt noch kennenlernen werde oder schon vorher meine Arbeit im CEN beende. Das ist alles noch Zukunftsmusik und ehrlich gesagt will ich da noch gar nicht dran denken - mich graust es jetzt schon davor, in 3,5 Monaten schon wieder im Flugzeug nach Deutschland zu sitzen... (Nicht persönlich nehmen, Leute)

Nachdem ich mich doch eine gute Weile nicht gemeldet habe und in der Zeit eine Menge passiert ist, was ich eventuell noch blogtechnisch nachholen sollte, belasse ich es hierbei mal bei diesem kleinen Zwischenbericht. Bilder wie immer unten drunter.

Lasst es euch gut gehen,
Euer Tom


 
                                                  Neuer Boden


                                Neue Tische und Stühle


                                       Kinder bespaßen


              Den Sommer an der frischen Luft genießen

                                              :P                 


Mit Spaß bei der Arbeit ;)

27Februar
2015

Manuel Antonio

Liebe Leute,

die Ferien waren noch nicht vorbei... Und somit die Bilderflut auch noch nicht. Diesmal im Angebot: Manuel Antonio. Nein, das ist nicht der Vorname eines der Kinder im CEN, sondern der Name des mit seinen 7km im Quadrat kleinsten Nationalparks Costa Ricas. Er besteht aus einem von über 100 Säugetierarten und ungefähr allen Reptilienarten der costaricanischen Pazifikseite bewohnten Wald direkt am Pazifik und einigen Inseln vor der Küste und bietet wunderschöne Wanderpfade durch den Wald und kleine versteckte Strände, die nur über diese erreicht werden können. Nebenan liegt der kleine Küstenort Manuel Antonio, ein beliebtes Backpacker-Reiseziel mit einem ebenso beliebten öffentlichen Strand.

Nachdem meine Eltern schon relativ früh nach Neujahr schon wieder arbeiten musste, organisierte ich die Bustickets und Zimmer in einem Hostel direkt am Eingang zum Nationalpark für zwei Nächte und überzeugte meine Schwester Meli, ihren Novio Rodolfo und Cho (mit der ich beim Festival de la Luz war), mit mir mitzukommen.
Gleich früh um 6 Uhr machten wir uns auf den Weg, kamen um 10 an unserem Hostel an, frühstückten erstmal einen ordentlichen Pinto und genossen den restlichen Tag am öffentlichen Strand (Playa Espadilla), abends noch in einer anliegenden Bar.
Am nächsten Morgen ging es dann ab in den Nationalpark - und ich war mal wieder froh, meinen costaricanischen "Pass" zu besitzen, da ich als "Residente", also Einwohner Costa Ricas nur 1.600 Colones (ca. 2,50€) statt den Touristen-Wucherpreis von 16$ Eintritt bezahlen musste. Aber selbst zu diesem Preis würde ich nochmal hineingehen, der Nationalpark ist nämlich einfach ein exotisches Paradies, wie man es aus Deutschland höchstens aus den ARD-Naturdokumentationen kennt. Abgesehen von den kleinen, aber einige Kilometer langen Wanderpfaden und einem Haupthaus im Zentrum ist der Park komplett naturbelassen. Während sich Meli und Rodolfo lieber direkt an den im Park liegenden Strand von Manuel Antonio begaben, habe ich Cho bei 40 Grad schwüler Hitze einmal quer durch den kompletten Park gescheucht, weil ich immerhin was sehen wollte, wenn ich schon mal dort bin. Und es hat sich wirklich ausgezahlt. Auf unserer Tour begegneten uns haufenweise Affen, die zum Teil ihre Menschenscheu schon abgelegt haben und sehr nah rankommen (und wenn man nicht aufpasst auch mal gerne was mitgehen lassen,sei es was zum Futtern, eine Kamera oder eine Cap), Waschbären, Faultiere (die allerdings nur hoch oben in den Bäumen chillen), Echsen, Schlangen, Schmetterlinge, Papageie, Tukane, usw... Mein persönliches Highlight waren auf jeden Fall die Affen, die links, rechts und über dem Wanderpfad nur ein paar Armlängen von uns herumtollten, -sprangen und sich stritten (zwei schrien sich so lange an bis einer genug hatte und dem anderen eine Faust verpasste, sodass er aus ca. 15m Höhe vom Ast fiel und auf den Boden knallte, sprang aber sofort wieder auf und zankte weiter). Habe ich alles auf Videos dokumentiert, die ich hier nur leider nicht hochladen kann, müsst euch also mit Fotos begnügen...
Außerdem bestiegen wir gefühlt 385.792 Treppenstufen, um einen wunderschönen Mirador (Aussichtspunkt) zu erreichen, und genossen nach all den Strapazen türkisblaues warmes Wasser an einem traumhaften Strändchen in einer "versteckten" Bucht, die man nur über einen vom Eingang in den Nationalpark 5km langen Pfad erreichen kann. Vor Einbruch der Dunkelheit wird der Park dann für Touristen wieder geschlossen und wir kehrten in den Ort zurück, und während die anderen drei direkt pennen gingen, machte ich mich auf den Weg zur Playa Espadilla, um Mojito-schlürfend die Sonnenuntergangsstimmung zu genießen und den letzten Ferienabend am Pazifik auszukosten.
Denn am nächsten Tag, nachdem wir gemächlich gefrühstückt, unsere Sachen gepackt und nochmal an den Strand eine letzte Runde schwimmen gegangen sind, ging es dann gegen 14 Uhr wieder zurück nach Hause ins "kalte" (22 Grad warme) San José.
Dort durfte ich mich dann auf meine Arbeit vorbereiten, die zwei Tage später wieder losgehen sollte.
Mein Plan, nach Limón an die Karibikküste zu fahren, wurde jetzt auf die Osterwoche verlegt, im Nachhinein kann ich aber nur sagen: Alles richtig gemacht! ;)

Unten, wie versprochen, die nächste Flutwelle an Bildern. Danach fängt wieder der Ernst des Arbeitslebens an... ;)

Bis dahin, lasst es euch gutgehen!
Euer Tom

Der öffentliche Strand (Playa Espadilla):


                             
Manuel Antonio Nationalpark:


                                     Wege durch den Wald




            Schlange frisst Eidechse                         Suche das Faultier ;)


                                              Äffchen :)


Waschbären und böses Äffchen, das meiner Schwester die Kekse geklaut hat (kein Witz)


                                             Aufstieg zum Mirador


          oben angekommen erstmal stärken und die Aussicht genießen :)


                                                    durchatmen...


                            wieder untenangekommen erwartete uns das:


                                              die versteckte Bucht


der letzte Abend


22Februar
2015

Playa Grande

22Februar
2015

Tamarindo

21Februar
2015

Playa San Juanillo

21Februar
2015

Playa Ostional

20Februar
2015

Ciudad de Nicoya

20Februar
2015

Punta Islita

 

19Februar
2015

Übernachtung an der Playa San Miguel

19Februar
2015

Montezuma

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